Geschichte des Wiener Urania Puppentheaters

Wie alles begann...
Marianne und Hans Kraus waren beide Volksschullehrer. Im Jahre 1948 kam es zur ersten Begegnung der beiden.
Anlässlich eines Faschingsfestes in der Schule, wurde die Bühne aus der Stöbergasse herbeigeschafft. Es spielten Hans Kraus und Marianne Plössl, die der Kollege Kraus gefragt hatte: “Frau Kollegin, wollen sie mit mir Kasperl spielen?“.
Und so fing die Sache an, die nicht nur zu einer gemeinsamen Bühnenkarriere führte, sondern auch zu einer Ehe.
Aus der Kollegin Marianne und Kollegen Hans wurden Bühnenkollegen
In der Wohnung von Hans Kraus, in der Stubenbastei Nr.2, wurde mit der Hilfe eines Tischlers die erste Bühne gebaut. Der erste Satz Puppenköpfe war noch in einem Spielwarengeschäft erworben worden. Schwere Tonköpfe aus der Werkstatt der Hohensteiner in Deutschland. Die ersten Kostüme schneiderte die Mutter von Hans. Requisiten, Versatzstücke und Kulissen waren die Domäne Hansens.
Ein Lokal wurde gesucht und auch gefunden, im Gasthaus Figl in der Landstrasse im 3. Wiener Gemeindebezirk und dann war es endlich soweit.
11. Juni 1949 - Der erste Spieltag
Am Vortag wurde mühsam die Bühne von der Stubenbastei zum Gasthaus Figl geschafft.
Und dann, um 12.30 Uhr kamen die ersten Besucher. An der Kassa, besetzt von Mama Kraus, bildete sich eine lange Schlange. Und als um 14 Uhr die Vorstellung begann, war der Saal zum Bersten voll.
Von da an war Stress Dauergast im Hause Kraus. Jeden Samstag und jeden Sonntag ein neues Programm! Das bedeutete: neue Stücke, neue Kulissen, neue Puppen. Da es keine neuen Köpfe zu kaufen gab, begann Hans welche zu schnitzen. Das dritte Exemplar war bereits brauchbar.
Dann wurde wieder einmal übersiedelt. Von der Landstrasse in die Neulinggasse, ins Gasthaus Schreder.
Die gemeinsame Arbeit mit der Wiener Urania
Fast auf den Tag ein Jahr nach dem ersten Auftritt kam es zur ersten gemeinsamen Arbeit mit der Wiener Urania. Die Urania hatte im Strandbad „Gänsehäufel“ von der Bäderverwaltung eine Insel zugewiesen bekommen auf der ein Puppentheater für die Unterhaltung der Kinder sorgen sollte.
Am 30 Juli 1950 ging auf der Freiluftbühne der Vorhang für die erste Aufführung des „Theaters der Kleinen“ auf.
Von da an war die Theaterhütte im „Gänsehäufel“ die Sommerresidenz von Kasperl und Pezi.
Doch die Urania wollte eine noch engere Zusammenarbeit. Ab Weihnachten sollte im Mittleren Saal der Urania gespielt werden.
Aus dem „Theater der Kleinen“ würde das „Wiener Urania Puppentheater“.
Aber dafür war die bestehende Bühne zu klein, eine größere musste gebaut werden. Für die Probeaufstellung war aber das Zimmer in der Wohnung, wo sie gebaut worden war, zu niedrig, und so musste man alles auf das Flachdach des Hauses transportieren, wo unter freiem Himmel der erste Aufbau erfolgte.
In den letzten Tagen vor dem großen Auftritt in der Urania wurde alles dorthin geschafft und am 24. Dezember, an Heilig Abend, wurde die Bühne aufgestellt. Die Proben liefen die ganze Nacht über und am 25. Dezember, um 14.30 Uhr ging die erste Vorstellung des „Urania Puppentheaters über die Bühne.
Von da an gab es wöchentlich 3 Vorstellungen, Samstag, Sonntag und Mittwoch, mit ständig wechselndem Programm.
Der Weg zum Abonnementtheater
Ab 1958/59 spielte die Bühne Samstag und Sonntag die gleichen Programme. 1962/63 wurden zusätzlich eingeschobene Vorstellungen in einem anderen Saal der Urania, dem „Kleinen Saal“ auf der Mittleren Bühne eingeschoben. Eine sehr anstrengende Angelegenheit, da die Bühnen immer auf- und abgebaut werden mussten.
Von 1968 an wurden Abonnements aufgelegt, auch deshalb, weil die Vorstellungen bereits immer im Vorverkauf ausverkauft waren und daher für die Tageskasse nichts übrig war. Furchtbare Szenen spielten sich vor dem Schalter ab. Anfänglich wurde nur ein Abonnement für Dienstag angeboten, aber das war sofort ausgebucht. Schließlich gab es Abonnements für alle Wochentage.
Auch die Spieltage wurden mehr und mehr bis es schließlich 16 Spieltage mit 32 Vorstellungen geworden waren.
Puppentheater im Hörfunk
Der Rundfunk, damals noch „RAWAG, fragte im Herbst 1953 an, ob die Bühne Kraus in der Sendereihe „Kasperl im Funkhaus“ spielen würde. Gesendet wurde jeweils am Samstag um 16 Uhr.
Die Aufzeichnungen fanden im großen Sendesaal statt und die Aufführungen liefen hörspielmäßig ab.
Ein Moderator schilderte das Ambiente und drei Musiker begleiteten die Aktionen.
Kasperl und Pezi im Fernsehen
Seit 1955 gibt es in Österreich Fernsehen, und die Bühne Kraus war vom Anfang an dabei. Die ersten Sendungen waren Live-Sendungen und die Bedingungen, unter denen sie entstanden, waren abenteuerlich. Gespielt wurde nach einem fertigen Tonband, und berühmte Schauspieler liehen darauf den Puppen ihre Stimmen. Hansund Hermann Thimig, Gabi Banschenbach, Kitty Oertl, Widhalm-Windeg, Walter Blühm und viele andere mehr.
Gestartet wurde anfangs nur mit Märchen, das erste war „Der Froschkönig“.
Das „Studio“ war in einer Schule in der Singrienergasse untergebracht und war ein einfaches Klassenzimmer. Es gab keine Bühne sondern nur aneinander gereihte Stellagen. Das Klassenzimmer war sehr klein, daher arbeitete die Kamera zeitweise vom Gang aus durch die Tür.
Ab Oktober 1957 traten dann auch Kasperl und Pezi auf. Auch gab es ein neues Studio in Schönbrunn. Dort wurde auf der Urania-Bühne gespielt, die zu diesem Zweck jedesmal transportiert werden musste. Manchmal wurde aber auch aus dem Stadttheater gesendet.
Eine Erleichterung war, dass es inzwischen auch die Möglichkeit der Voraufzeichnung gab, wodurch ein großes Maß an nervlicher Anspannung wegfiel.
Aber nicht nur die Kasperliaden wurden für das Fernsehen produziert, auch die Gutenachtgeschichten, die „Betthupferln“ kamen hinzu. Die „Familie Petz“, „Clown Musicus“, um zwei zu nennen.
Und es gibt sie immer noch
1995 starb Prof. Hans Kraus und Marianne Kraus übernahm die Leitung gemeinsam mit Manfred Müller, der im Jahr 1973 zum Puppentheater gekommen war. Wie Hans Kraus begann er Stücke zu schreiben, Puppen und Kulissen zu bauen, während Marianne Kraus die wirtschaftlichen Agenden betreute.
1999 erlag Marianne Kraus ihrem Krebsleiden, gegen das sie zwei Jahre gekämpft hatte, und Manfred Müller übernahm die Gesamtdirektion über das Puppentheater.
Es ist eine Laune der Natur, dass sowohl die „Pezi-Nachfolgerin“ Alexandra Filla, wie auch „Kasperl“ Manfred Müller sehr ähnliche Stimmen wie die Vorgänger haben, sodass die Figuren von Kasperl und Pezi ohne „Bruch“ weiterleben.
Alles, was lebt, wächst und ändert sich. Das gilt auch für ein Theater. Technisch ist die Bühne up to date, sowohl in Beleuchtung und Ton, wo natürlich auch schon High-Tech mitspielt.
Es wird teilweise mit Videoprojektionen gearbeitet, der Bühnenausschnitt wurde breiter und breiter (die Bühne öffnet sich auf 5m „Breitwand), „Schwarztheater“ ist traditioneller Bestandteil der Aufführungen, und natürlich sind Kasperl und Pezi auch im Internet und auf Facebook vertreten.
Auch damit wird die Tradition fortgesetzt, denn schon bei den „Krausen“ hieß es: Das Neueste und das Beste muss das Urania Puppentheater haben!“
Und es gibt sie hoffentlich noch lange
Einen guten Ruf als Theater zu haben, ist etwas Schönes, es ist aber auch eine hohe Verantwortung.
Wer ins Urania Puppentheater kommt erwartet das Besondere, das Spektakuläre, und er bekommt es auch.
Um den hohen Qualitäts-Standard auch in Zukunft halten zu können, verbessert das Kasperl und Pezi Team kontinuierlich auf allen Ebenen.
Für das Urania Puppentheater, das ein Privatunternehmen war und ist- das keine Subventionen erhält - steht die Freude der Kinder an erster Stelle.